Gezählte Tage

21 Mrz

Stumm sitze ich vor dir, schaue in deine schönen großen Augen und wünschte ich könnte alles ändern. Was heißt alles ändern? Dieses Leben geht weiter egal wie sehr wir es auch aufhalten möchten. Es war mir eine Ehre meine Zeit mit dir geteilt zu haben. Vergib mir die Wutanfälle, die Verletzungen, die Überforderung und all das schlechte, was ich dir angetan habe. Wenn ich an dich denke, werden mir die guten Dinge einfallen.

Erinnerst du dich noch? Ich wollte so gern mit dir ans Meer, doch leider haben wir es nicht geschafft zusammen dort hin zu kommen. Dafür haben wir andere Abenteuer miteinander erlebt. Zusammen gesungen und gebrüllt, hast mich an kalten Tagen gewärmt und an heißen gekühlt. Manchmal saßen wir ganz still zusammen, haben Nächte und Tage miteinander verbracht. Du wirst mir fehlen, ganz egal wo du auch bist. Ich würde dich gerne behalten, doch ich kann es nicht.

Kenne dein Strahlen in den Augen und das Leuchten, welches du verbreiten kannst. Was haben wir gelacht und Spass gehabt. Jetzt stehst du leise vor mir. Mir zieht es die Kehle zu. Unsere Zeiten zusammen sind gezählt. Du wirst gehen und es tut mir leid. Innerlich zerbricht mein Herz einen solchen Freund wie dich gehen lassen zu müssen. Aber du wirst neue Abenteuer erleben. Wirst Kinderlachen hören und neue Flüche lernen, du wirst das Land verlassen und ich werde dich nicht mehr sehen. Traurig merke ich wie mich dein Fortgehen belastet. Noch gewinne ich den Ringkampf mit den Tränen aber ich weiß, wenn ich dich nicht mehr sehen werde, ist er verloren.

Ich verstehe nicht wie andere Menschen, dass so einfach hinbekommen. Kopfschüttelnd muss ich mir eingestehen, ich kann es nicht. Abschied nehmen ist nicht meine Stärke, es ist ein unglaublich starkes Gefühl gegen das ich nicht ankomme und doch muss ich da durch.

Ich rede hier nicht von irgendjemand sondern von Bernhardt, meinem Auto. Ein Kastenwagen der besonderen Sorte. Citröen Berlingo, Facelift Model, Erstzulassung 2008 und gerade einmal 132.000 km auf dem Tacho. Zweimal waren wir zusammen in Köln und einmal in Hamburg, auf dem Hornberg, wollte noch nach Österreich mit ihm und nach Berlin, einmal nach Paris um zu seinem Geburtsort zu besuchen. Nach Madrid und zurück, soviel wo wir noch erleben wollten. Jetzt wird er vielleicht in einem Monat nicht mehr bei mir sein. Da wird mein Herz schwer und meine Augen feucht. Ich kann mir keine zwei Autos leisten und doch würde ich zu gern einen zweiten Job anfangen nur um ihn dafür behalten zu können. Leider geht das nicht.

Genauso geht das Abenteuer Wohnung zu Ende und somit trennen sich auch unsere Wege. Ich wiederhole mich ungern, aber Abschiede hasse ich. Egal ob von Freunden, Freundinnen oder Autos. Es sind Erinnerungen daran verknüpft und ich würde zu gern daran festhalten. Bei ihm musste man nicht überlegen, „Passt das hinten rein?“, „Kann ich das mitnehmen?“, „Hab ich dann noch Platz?“ oder „Mh, könnte schwierig werden“, diese Gedanken gab es bei Bernhardt nicht. „Passt nicht?“ gab es nicht. Er war der beliebteste Gast bei jedem Umzug, oder wenn es zum Möbelhaus ging, er war der Mann dafür. Traurig schaue ich in seine Scheinwerfer. Hinten das Rücklicht musste mal erneuert werden, weil Mum eine Deichsel übersah, Schrammen am Radhaus links, weil der Vater von meinem Schwager schlecht einparkte. Dellen von weiß ich nicht und trotzdem liebe ich diesen Lack „Grau-metalik“ Irgendwie schafft es die PSA Company Lacke zu komponieren, in die ich mich in all der Zeit verlieben kann. Immer noch liebe ich den Lack von meinem ersten Auto, Saxo blau. Dieser Wagen wurde auch selten in letzter Zeit.

Dank dir Bernhardt für 132.000 km einwandfreie Funktion, Fahrspass und für deine Art uns einzuhüllen. Für die Wärme und die Kühle, für jede Fahrt, die du ohne Murren und Zicken bis zum Ende gebracht hast. Für deinen weiteren Weg wünsche ich dir weitere 132.000 km knitterfreie und allzeit gute Fahrt. Und sei dir sicher. Du bist mein, im Herzen immer werde ich bei dir sein. Ich bereue es, dich herzugeben, mit jedem Tag und jedem Kilometer. Du wirst mir fehlen, mein Freund. Deine Sachliche Art, deine Gelassenheit und deine beruhigende Art werde ich im Straßenverkehr vermissen. Doch werde ich sie mit nehmen um deinem Nachfolger, das gleiche Leben bescheren zu können wie dir. Mögen deine Räder nicht still stehen, und immer genügend Luft darin befinden. Soll der Sprit dir nie ausgehen und deine Zündfunken immer für eine gute Explosion sorgen. Fahre gut und bringe meine Schwester, Schwager und meine Nichten immer wohl behütet und wohlauf an ihr Ziel. So wie du es bei mir getan hast. Du wirst mir fehlen….

Dein Dennis

Mein Auto und ich

17 Mrz

Vier Reifen, Lenkrad, Motor, vollen Tank und einen Sitz, dass alles auf einem Stück Blech verschraubt und du kannst mich glücklich machen.

Alles was einen Motor hat, möchte ich fahren. Ob SUV, Geländewagen, Pick-Up, Sportwagen, Coupe, Kombi, Cabrio, Motorrad, Omaschüssel oder Angeberkarre, tiefer oder höher gelegt, egal ob langsam oder schnell. Ich bin, im Englischen Petrolhead getauft, ein Benzinjunkie. Was ich dagegen noch mehr Liebe, ist ein Fahrzeug neu aufzubauen.

Ich arbeite 40 Stunden in der Woche, meist sind es mehr, 40 sind nur die, wo ich machen muss. Fahre mindestens 40 % von meinem Arbeitstag umher und bin viel alleine. Das alles stört mich nicht. Verärgerte Kunden, schwierige Fehler und so manch Schraube, die nicht raus kommen möchte. Alles höre, mache ich in diesen 40 Stunden mit. Deshalb bleibt mir doch das Recht in den restlichen Stunden etwas von meiner Freizeit für Dinge, die ich gerne möchte zu nutzen.

Auch das meine Hobbies Zeit brauchen, ist mir bewusst. Vieles davon kann ich auch nur alleine machen. Motorrad fahren zum Beispiel oder schreiben, da hab ich relativ ungern andere Menschen um mich herum. Trotzdem gibt es nebenbei auch Dinge, welche ich machen muss. Kochen, Schlafen und meine Wohnung renovieren. Auch diese Aktivitäten brauchen Zeit, viel Zeit.

Und dann gibt es da noch etwas. Wenn ich ein Fahrzeug habe, an dem ich schrauben kann, dann tue ich dies auch. Im Moment restauriere ich einen Mitsubishi Colt 1,5 GLX von 1987. Schönes Auto, habe es mal geschenkt bekommen und würde es nun gerne zurück auf die Straße bringen. Auch hier gingen wieder einige Stunden verloren. Achsmanchette, Stabigummis und zumindest auf der rechten Seite sind die Bremsleitungen getauscht. Die linke Seite muckt noch ein bisschen. Sowas mach ich gerne, es ist ja nicht nur für mich. Auch meine Familie profitiert davon. Bernhardt würde meine Schwester übernehmen und ich kann mich dann ganz auf andere Dinge konzentrieren als meinem Auto hinterher zu rennen.

Der Wagen stände dann nicht mehr in der Einfahrt herum sondern würde seine ihm angedachte Aufgabe wieder ausführen. Ja er ist rostig, verbeult und alt. Sind wir ehrlich zu uns selbst, sind wir anders? Dieses Auto ist mir gegenüber ehrlich, es hat wenig Liebe bisher bekommen und im Moment ist es nicht besser. Wir zehren und schrauben an ihm herum, Kratzen da und hämmern hier. Ich bin froh, wenn der TÜV abgenommen ist und der Wagen neue Bleche dran hat. Bis dahin dauert es aber noch.

„Im Moment bekommt dein Auto mehr Liebe als ich.“, beschwert sich mein Herzblatt. Es mag wohl stimmen. Ich sitze schon geschlagene zwei Tage an dem Wagen und richte, schraube und fluche am laufenden Band über irgendwelche Schrauben, Konstruktionsschwierigkeiten und Rost. Meistens über den Rost. Da kam mir so ein Vorwurf in den Sinn, der schon ewig her ist, „Du liebst dein Auto mehr als mich.“ Ja, das stimmt vielleicht sogar. Mein Auto hat mich bis heute nicht einmal im Stich gelassen, und es hat so manch anderen schon heil wieder zurück gebracht. Habe Stunden, Tage, Wochen darin verbracht. Sogar schon darin übernachtet. All sowas vergisst man in den Jahren nicht. Bernhardt ist keine Schönheit, er ist ruppig und rau, aber er ist ehrlich. Selbst mit kaputter Kupplung brachte er mich zuverlässig auf Arbeit, bis zum Schluss. Ein Kamerad und Freund mit dem ich jedes Abenteuer starten würde. Ja, ich liebe dieses Auto. Es ist eine Freundschaft, die jeder Fahrer mit seinem Fahrzeug aufbaut. Zumindest wenn er es hegt und pflegt. Während ich ihn repariert habe, habe ich meinen typischen Blutzoll bezahlt. Auch jetzt bei Goldi hab ich mein Blut schon gelassen.

Es gehört beim Schrauben einfach dazu. Diese Dinge verbinde ich mit diesem Fahrzeug, die Stunden, die ich damit verbrachte, es zu reparieren und wenn es nur Kleinigkeiten waren, oder das Geld, welches er einfach so geschluckt hatte. Investierte Zeit für Reinigen und die meiste Zeit davon, fuhren wir doch sowieso mit ihm.

Nein, mein Auto ist so viel mehr als ein Zeitvertreib, er bringt mich zu dir, holt dich ab und bringt uns zusammen überall hin. Murrt nicht, wenn wir wieder schwer eingekauft haben und schnurrt wie ein Kätzchen, wenn wir ihn danach anwerfen.

Ja, ich liebe meine Fahrzeuge, weil sie wie ich weit über das heraus gehen, wofür sie gebaut wurden. Inzwischen sind sie soviel mehr als nur ein Fortbewegungsmittel. Weshalb es mir auch schwer fällt meine Autos abgeben zu müssen. Mit der Zeit kennt man ihre charakterlichen Macken, Probleme, hat sich damit arrangiert und weiß worauf man achten muss.

Es mag stimmen, dass ich ein schlechter Liebhaber, Freund und Helfer bin, aber ich weiß, ich mach mir Sorgen, wenn es meinem Auto schlecht geht und eben auch nur weil ich daran weiß, was ich machen muss, kann ich es auch in die Tat umsetzen.

 

Euer Dennis