Hilf mir fliegen

14 Jan

„Komm und hilf mir fliegen“

Ich hab schon lange aufgehört darüber nachzudenken. In SW wird das Thema wieder groß. Seit dem Tag an dem ich beim Schreiben so im Fluss mit mir und dem Takt war, hatte ich das Gefühl fliegen zu können.

So intensiv, einmalig aber der Grundstein, weshalb ich davon gesprochen habe, dass ich Flügel habe. Schwarze gefederte Schwingen mit denen man aus allem entkommen kann. Es gab nicht viele die es verstanden haben. Aber ich liebte diesen Gedanken, das Bild in mir war klar, der rechte Arm schwarz verbrannt, die Flügel auf dem Rücken und dem wilden zerzaustem Haar. Dazu weite Hosen, Nietengürtel, Fingernägel lackiert, ich war verrückt und ich liebe mich im Nachhinein dafür noch. Dieser Junge der allen anderen die kalte Schulter zeigte, was nicht sein Stil war.

Noch heute trage ich diese Outfits, fühle mich aber nicht mehr ganz so selbstsicher darin wie damals.

Blackstar war mein Name, mit dem ich umgegangen bin. Nie wollte ich im Vordergrund stehen, aber wohl im Rampenlicht. Auffallen um jeden Preis, wie ein Papagei so bunt. Aber ich lachte, ich war glücklich damit. Heute bin ich etwas ruhig, verschlossener und wer weiß auch etwas vorsichtiger geworden.

Was ich aber auf jedenfall vermisse, sind diese Flügel. Nach der letzten Bruchlandung habe ich mich dazu entschieden, es zu lassen. Habe sie mir im literarischen Sinne abgeschnitten. Weil sie nur leblos noch an mir herunter hingen. Mehrfach gebrochen habe ich lange gebraucht, mich zu diesem Schritt durchzuringen. Nicht meine beste Überlegung aber ohne Ballast lässt sich ein Berg einfacher besteigen.

Mit Tränen in den Augen machte ich mich an den Aufstieg um zu sehen ob ich es nochmal zu so einem Höllenritt aufbrechen kann. In der Wirklichkeit habe ich das Fliegen ohne Flügel inzwischen gemeistert. Ich hab zwar den Flugschein nicht gemacht, wohl aber gelernt einen Flieger zu steuern.

Was mir trotzdem fehlt sind die literarischen Hochflüge, meine alten Gedichte, diese Höhen habe ich damals mit der Elfe hinbekommen. Vermissen für so etwas ist kein Ausdruck und ich tue es wirklich. Ich vermisse Elfe wahnsinnig. Vielleicht vermisst sie mich auch ab und zu? Ich kann es nicht sagen.

Ihr fortgehen war der Grund für die gebrochenen Flügel und auch der Abschied von ihnen. Hätte man es ändern können? Wenn ich etwas anders gemacht hätte? Ich weiß es nicht. So lange es ihr heute gut geht, was ich schwer hoffe, weil sie noch ein Teil meines Herzens ist.

Von ihr habe ich damals auch diesen Song, „Hilf mir fliegen“ von Tokio Hotel. Welcher ab und zu noch läuft und mich an eine Zeit erinnert, die heute vier Leben hinter mir zu liegen zu scheint und doch so nah als wäre es gestern erst passiert. Was vielleicht daran liegt, dass sie gefühlt immer präsent ist.

 

Euer Dennis

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Zerbrochene Träume

13 Jan

Grollend als hätte da vorne ein Fabelwesen Hunger, schieße ich über die Landstraßen. Auf dem Weg Spielzeug zu holen, was ich nicht brauche, aber was mich mein Leben lang begleitet hat. Die Faszination Lego ist ungebrochen. Gleichzeitig überkommt mich aber auch der Zweifel. An mir, meinem Leben und ob es sich noch lohnt zu träumen.

Meine Freunde und ich hatten abgedrehte Fantasien. Von Menschen, die sich verwandeln konnten, in was sie wollten, ohne irgendwelcher Magie. Träumten von Monstern und wie wir gegen sie antraten. Kämpften uns durch Welten, bauten Bunkeranlagen, führten Kriege, radelten um die Welt und die steilsten Berge hinunter. Träumer, die lachend und neugierig durch die Welt tanzten.

Geblieben sind die wenigsten. Aus den Kindern wurden Erwachsene. Umzüge, Kontaktlosigkeit und Zeit taten ihr Übriges dazu. Ob wir uns noch immer Träumer nennen dürfen?

Zurück im Auto, mich beschleicht ein Gefühl, ähnlich einem Abschied. Wenn man jemand gegenüber steht und weiß, man wird ihn wohl nie wieder sehen.

Vor 10 Jahren träumten wir von wilden Zeiten, von großen Autos, Häusern, Frauen und viel Zeit miteinander. Die Autos sind verblasst, die Häuser auf Wohnungen geschrumpft, die Frauen wurden zu einem Partner, der neben uns einschläft und mit uns morgens aufwacht, Zeit ist rar geworden. Wir machen inzwischen Termine aus um uns gegenseitig in unseren Höhlen zu besuchen. Zweimal im Jahr wäre noch oft. Viel öfters schreiben wir einander.

Wie der Tag so lief. Was wir für das Wochenende planen und wenn es dann da ist, sind wir froh wenn wir es auf der Couch verbringen konnten. Wollten wir mal anders sein als unsere Eltern? Irgendwie habe ich inzwischen das Gefühl, genau so zu sein. Auf der Couch schlafen bis es spät genug ist ins Bett zu gehen. Nach 13 Stunden Tagen ist dies kein Wunder.

Dad, falls du dies liest, ich weiß nun warum du immer abends auf der Couch eingeschlafen bist. Entschuldige bitte, dass ich dachte es mal anders machen zu können. Aus den großen Träumen, um die Welt wandern, mit dem Auto zum nördlichsten Punkt von Norwegen fahren, das Haus am See, auswandern, ach ich weiß nicht mehr was wir alles geplant hatten. Scheine ich mich langsam zu verabschieden.

Schade eigentlich, es waren nicht alle, aber einige sehr Bodenständige Wünsche und irgendwie habe ich Angst, dass wir noch mit 50 in der gleichen Zwickmühle sitzen wie heute. Nicht zu wissen wohin man gehört, zwischen Vergangenheit und Zukunft eingeschlossen und ohne Karte im Leben zu stehen. Was haben wir alles gesehen, gehört, getan, welches Herz wurde von wem und wann gebrochen. Ja auch dies gehört zu unserem Leben.

Heute drehen sich unsere Gespräche eher, um Baupläne, Einkaufsliste, Termine und Arbeitsprojekte. Wie schön waren doch die Zeiten noch, als wir abends noch davon träumten, was für tolle Ideen wir auf das Blatt bekommen wollten.

Manchmal wünscht man sich eine Art Blockiertool um seine Wünsche einzufrieren, damit man sie nie wieder vergisst. Soll es dass gewesen sein, wird es so weiter gehen? Ehrlich gesagt ich hoffe nicht. Lieber wäre mir ein Neubeginn, bei dem alles möglich wäre.

 

Euer Dennis